Eines der schönsten Gewässer der Unteren Lobau wurde dieser Tage erstmals durch Verlandung und Wassermangel in zwei Hälften geteilt.
Das etwa zwei Kilometer lange Fischereirevier Eberschüttwasser war schon bisher aufgrund von Verschilfung und Mangel an offenen
Wasserflächen nur noch zu sechzig Prozent befischbar.
Die nördlichsten 800 Meter („Kleines Eberschüttwasser“) sind ein undurchdringliches Geflecht aus Schilf, Binsen, Teich- und Seerosen. In der Vegetationszeit sind hier offene Wasserstellen ein seltener Anblick. Mit dem Boot ist schon lange kein Durchkommen mehr.
800 Meter „Wasser“, das kaum noch als Gewässer erkennbar ist. Und nun sind nicht einmal die südlichen, gerade noch nicht zugewachsenen ersten 300 Meter des nördlichen Eberschüttwassers zu erreichen.
DIE STADT EIERT HERUM
Die seichte Übergangszone dorthin (siehe Titelfoto) liegt seit kurzem weitgehend trocken. Das gab es – abgesehen vom Einzelfall des harten Winters 2017 – noch nie. Das Revier ist somit faktisch nur noch 600 Meter lang, anstatt wie ausgewiesen zwei Kilometer.
Das mag für die letzten Fischer enttäuschend sein, für den Nationalpark ist es der Beginn jener Katastrophe, vor der Wissenschaftler und Naturschützer seit einem halben Jahrhundert warnen: Die Untere Lobau verliert ihre Gewässer.
Die Stadt Wien eiert seit Jahrzehnten um das Problem herum. Es mangelt sichtlich an Enthusiasmus für die Erhaltung der Natur und den Wert des Nationalparks.
Die Obere Lobau wird von der Alten/Neuen Donau her und von einem Durchstich bei der Panozzalacke einigermaßen ausreichend mit Wasser versorgt. Der Unteren Lobau – ab Groß-Enzersdorf – wird das Wasser groteskerweise verwehrt.


WEITERFLIESSEN VERBOTEN
Mitte Mai war der Wahnwitz besonders augenfällig:
Während die Gewässer der Unteren Lobau über weite Strecken komplett ausgetrocknet sind und das Eberschüttwasser gerade seinen nördlichen Teil „verliert“, staut sich am kleinen Holzdamm beim Ufergasthaus Staudigl in Groß-Enzersdorf das Wasser aus der Oberen Lobau.
Es darf nämlich nicht weiterfließen.
Denn, würde es das tun, so predigt die Stadt pathetisch, könnten die Brunnen des Grundwasserwerks verunreinigt werden und dies würde die Wasserversorgung der Stadt Wien gefährden (eine schamlose Übertreibung).
„Trinkwasser!!“ lautet das Totschlagargument. Jeder Politiker und jeder Magistratsbeamte nimmt bei Erwähnung dieses Wortes sofort Reißaus. Man fürchtet Schlagzeilen à la: „Wien lässt Kinder und Pensionisten verdursten.“

Detailliertere Informationen zur Sache dringen zu den Politikern nicht durch. Zu viel Wissen ist lästig, dafür hat man ja seine Einsager, und außerdem raubt es Zeit für den nächsten Instagram-Beitrag. Anmerkung des Autors: Den Anfall von Polemik angesichts der verhängnisvollen Situation bitte zu entschuldigen.
BINSENWAHRHEITEN
Dass 2006 die Umweltstadträtin das bereits weit fortgeschrittene Projekt einer Wasseraufbereitungsanlage für die Grundwasserwerke der Stadt Wien aus politischen Gründen wieder abgesagt hat und damit bis heute sehr wohl die Versorgungssicherheit gefährdet, ist keine Diskussion wert. Davon will in der Stadt niemand etwas hören.
Dass das Wasser aus der Lobau nur in elf Gemeindebezirken, also nur in halb Wien und obendrein nur zeitweise, ins Leitungsnetz eingespeist wird, spielt keine Rolle. Trinkwasser gegen Lobau ist kein Match, das die Lobau gewinnen kann.
Und dass von den etwa 150 Litern, die in Wien pro Person täglich verbraucht werden, kaum etwas tatsächlich getrunken wird (“Trinkwasser!”), nimmt man bestenfalls entrüstet zur Kenntnis. Die Rechnung sieht nämlich so aus: 50 Liter werden für die Körperreinigung verbraucht, weitere 50 Liter für Kochen, Wäschewaschen und zum Beispiel für Autopflege.
Die letzten 50 Liter gehen ins Klo.
Und die Lobau geht in die Binsen.
Fotos: Günther Stiebitz, Teddy Janas, Kurt Kracher
Grafik: Verband Österreichischer Arbeiterfischereivereine
Quelle Wasserverbrauch pro Kopf: Wiener Umweltanwaltschaft


Es ist so ein Drama, mit der Unteren Lobau! Politisch ist da keinerlei Interesse, das ist leider nur für Lobautunnel und die unnötige 4 spurige (!!!) Stadtstrasse ausgeprägt vorhanden. Da fließt das Geld, aber der Lobau wird das Wasser verwehrt, da fließt nix mehr. Danke, dass es das „Lobaumuseum“ und Ihr Engagement gibt! Herzlichen Gruß!
Weiß man, wie die Stadtgemeinde Groß-Enzersdorf dazu steht? immerhin wird das Wasser in deren Gebiet gestaut, wenn ich das richtig gelesen habe. Vermute, es gibt auch dort gewichtige Argumente gegen den Durchfluss. Liebe Grüße
Sowohl Eberschüttwasser wie auch der Holzbalkendamm beim Gasthaus Staudigl liegen auf Wiener Gebiet bzw. befinden sich im Einflussbereich des Forst- und Landwirtschaftsbetriebs der Stadt MA 49 und der MA 45 Wiener Gewässer.